Angehörigenpflege

Mit den Neuregelungen im Familienpflegezeitgesetz und im Pflegezeitgesetz haben pflegenden Angehörige mehr zeitliche Flexibilität und Sicherheit, wodurch die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf erleichtert wurde. Auf den folgenden Seiten finden Sie einen ersten Überblick zum Thema Pflege.


Gern unterstützt Sie der Pflegelotsin der FSU Jena bei Ihren Anfragen.



Pflegeratgeber_aktuell


Einen ersten Überblick zum Thema Pflege finden Sie in der Broschüre "Pflege - Was tun". Vertiefende Ausführungen finden Sie im Pflegezeitgesetz sowie im Familienpflegezeitgesetz.


Wann ist Pflegebedürftigkeit gegeben?

Pflegebedürftig im Sinne des SGB II sind Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem oder höherem Maße (§ 15) der Hilfe bedürfen.

Die Hilfe in diesem Sinne besteht in der Unterstützung, in der teilweisen oder vollständigen Übernahme der Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens oder in Beaufsichtigung oder Anleitung mit dem Ziel der eigenständigen Übernahme dieser Verrichtungen.


Kurzzeitige Arbeitsverhinderung und Pflegeunterstützungsgeld

Im Falle einer akut auftretenden Pflegesituation haben nahe Angehörige die Möglichkeit, bis zu 10 Arbeitstage der Arbeit fernzubleiben, um eine bedarfsgerechte Pflege zu organisieren oder eine pflegerische Versorgung in dieser Zeit sicherzustellen.

Für diese 10 Tage kann als Lohnersatzleistung das Pflegeunterstützungsgeld beantragt werden. Zu beantragen ist das Pflegeunterstützungsgeld bei der Pflegekasse bzw. dem privaten Versicherungsunternehmen des Pflegebedürftigen.

Wichtig: Bitte informieren Sie Ihren Arbeitgeber schnellstmöglich über die Arbeitsverhinderung sowie die voraussichtliche Dauer.

Kündigungsschutz:
Für Beschäftigte besteht von der Ankündigung - höchstens jedoch bis 12 Wochen vor dem angekündigten Beginn - bis zum Ende der Freistellung Kündigungsschutz.

Freistellung nach dem Pflegezeitgesetz

Beschäftigte haben die Möglichkeit sich bis zu 6 Monaten vollständig oder teilweise von der Arbeit freistellen zu lassen, um einen pflegebedürftigen nahen Angehörigen in häuslicher Umgebung zu pflegen.

In dieser Zeit kann beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben ein zinsloses Darlehen beantragt werden, um Einkommensverluste in dieser Zeit abzufedern.

Wichtig: Es muss ein Nachweis über die Pflegebedürftigkeit durch eine Bescheinigung der Pflegekasse oder des Medizinischen Dienstes der Krankenkasse vorliegen. Die Ankündigung der beabsichtigten Pflegezeit muss dem Arbeitgeber spätestens 10 Tage vor Beginn schriftlich mitgeteilt werden. Wenn Sie beabsichtigen sich nur teilweise freistellen zu lassen, muss vorab eine schriftliche Vereinbarung mit dem Arbeitgeber getroffen werden.

Kündigungsschutz:
Für Beschäftigte besteht von der Ankündigung - höchstens jedoch bis 12 Wochen vor dem angekündigten Beginn - bis zum Ende der Freistellung Kündigungsschutz.


Freistellung nach dem Familienpflegezeitgesetz

Wenn nahe Angehörige länger pflegebedürftig sind, wird die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf für viele Familien zur Herausforderung. Das Familienpflegezeitgesetz sieht eine teilweise Freistellung von bis zu 24 Monaten vor (Mindestarbeitszeit: 15 Stunden/ Woche), um nahe Angehörige in häuslicher Umgebung pflegen zu können.

In dieser Zeit kann beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben ein zinsloses Darlehen beantragt werden, um Einkommensverluste in dieser Zeit abzufedern.


Wichtig: Es muss ein Nachweis über die Pflegebedürftigkeit durch eine Bescheinigung der Pflegekasse oder des Medizinischen Dienstes der Krankenkasse vorliegen. Die Ankündigung der beabsichtigten Familienpflegezeit muss dem Arbeitgeber spätestens 8 Wochen vor Beginn schriftlich mitgeteilt werden.

Kündigungsschutz:
Für Beschäftigte besteht von der Ankündigung - höchstens jedoch bis 12 Wochen vor dem angekündigten Beginn - bis zum Ende der Freistellung Kündigungsschutz.

Beantragung von Pflegeleistungen

Um Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen zu können, muss ein Antrag bei der Pflegekasse gestellt werden. Die Antragstellung können auch Familienangehörige, oder andere Personen, wenn Sie bevollmächtigt sind übernehmen.

Nach Antragstellung bei der Pflegekasse erfolgt die Begutachtung (durch dem medizinischen Dienst der Krankenkasse oder andere unabhängige Gutachter) zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit.

Die gesetzlich vorgeschriebene Bearbeitungsfrist beträgt 25 Arbeitstage.

Bei einem Aufenthalt im Krankenhaus oder einer stationären Rehabilitationseinrichtung erfolgt die Begutachtung durch dem MDK oder anderen unabhängigen Gutachter innerhalt 1 Woche, wenn dies zur Sicherstellung der weiteren Versorgung erforderlich ist oder die Inanspruchnahme einer Freistellung nach dem Pflegezeitgesetz gegenüber dem Arbeitgeber der pflegenden Person angekündigt oder nach dem Familienpflegezeitgesetz mit dem Arbeitgeber vereinbart wurde.

Unterstützungsmöglichkeiten

Mitarbeitende haben die Möglichkeit, in enger Abstimmung mit dem Vorgesetzten, im Rahmen der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf verschiedene flexible Arbeitszeitmodelle zu nutzen.

Mögliche flexible Regelungen:

  • vollständige Arbeitsbefreiung bspw. in einer akuten Pflegesituation (10 Tage)
  • in dringenden Fällen bis zu 3 Tagen
  • bis zu 4 Wochen als Sonderurlaub statt Jahressonderzahlung
  • längerer Zeitraum (Sonderurlaub aus persönlichen Gründen)
  • Arbeitszeitverringerung (mit z.B. familiären Grund/ ohne Grund)

Ihr Sachbearbeiter/ Ihre Sachbearbeiterin im Personaldezernat stehen Ihnen gern mit genauen Informationen zu den konkreten Voraussetzungen zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie vorab einen Termin für die Beratung!


Im Hochschul-Familienbüro können Sie bei Bedarf den Pflegekoffer (für Thüringen oder für die Region Jena) zu den angegebenen Sprechzeiten ausleihen. Einen ersten Überblick dazu finden Sie online HIER.

Ansprechpartner

Die Pflegelotsin der FSU Jena steht Ihnen gern zur Seite


Anja Dragowsky
Tel.: 03641-9 415 417
E-Mail: a

Gern können Sie auch ein persönliches Beratungsgespräch vereinbaren.