Finanzielle Leistungen

Einen Überblick über die finanzielle Seite betreffende Möglichkeiten wie  Mutterschaftsgeld, Elterngeld, BaföG, Leistungen wie Wohngeld sowie Kindergeld und Kinderzuschläge stellen wir Ihnen hier zur Verfügung.

Bekommen Studentinnen Mutterschaftsgeld?

Mutterschaftsgeld ist an eine Erwerbstätigkeit gekoppelt. Es steht ihnen demnach als Studentin nur zu, wenn Sie einer Erwerbstätigkeit oder Nebenerwerbstätigkeit (bspw. als studentische Hilfskraft) nachgehen. Dann müssen Sie drei Voraussetzungen erfüllen, um berechtigt für den Erhalt von Mutterschaftsgeld zu sein:

  • Sie müssen zu Beginn der Mutterschutzfrist eigenständig bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sein
  • bei Arbeitsunfähigkeit müssen Sie einen Anspruch auf Krankengeld haben (dieser Anspruch besteht jedoch grundsätzlich bei allen pflichtversicherten Beschäftigten)
  • das Arbeitsverhältnis muss grundsätzlich bereits zu Beginn des Mutterschutzes bestanden haben

Sind Sie Familien- oder Privatversichert und stehen bei Beginn der Schutzfrist in einem Arbeitsverhältnis, kann ein Antrag auf Mutterschaftsgeld an das Bundesversicherungsamt gestellt werden. Das Mutterschaftsgeld ist in diesem Fall ein einmalige Leistung von höchstens 210€.
  

Wer hat Anspruch auf Elterngeld?

Anspruch auf Elterngeld haben alle Eltern. Im Hinblick auf Studierende gilt: Das Studium muss nicht unterbrochen werden. Auf die Anzahl der Wochenstunden, die für die Ausbildung aufgewendet werden, kommt es, anders als bei der Erwerbstätigkeit, nicht an. 


Gehen Sie neben ihrem Studium einer Erwerbstätigkeit oder einer (Teilzeit-)Erwerbstätigkeit nach, die 30 Wochenstunden im Durchschnitt eines Bezugsmonats nicht übersteigt, können Sie weiterhin Elterngeld beziehen.

In Ausnahmefällen haben auch Verwandte dritten Grades Anspruch auf Elterngeld, wenn sie Zeit für die Betreuung eines Kindes investieren.
 

Wie hoch ist das Elterngeld?

Das Elterngeld ist eine Lohnersatzleistung. Die Höhe des Elterngeldes beträgt normalerweise 65 Prozent des entfallenden Nettoeinkommens vor der Geburt (maximal 1.800 Euro) und mindestens 300 Euro für Erwerbslose.

Seit dem 1. Juli 2015 können Eltern zwischen dem Elterngeld und dem ElterngeldPlus wählen.
Die Höhe des ElterngeldPlus wird auf der selber Berechnungsgrundlage wie das Elterngeld errechnet, beträgt aber höchstens die Hälfte des Elterngeldes ohne Teilzeitarbeit bzw. höchstens 150 €.


Hier finden Sie die Elterngeldstelle Jena.

Einen Elterngeldrechner finden Sie hier.

Wie lange wird Elterngeld gezahlt?

Elterngeld wird für die ersten zwölf Lebensmonate des Kindes gezahlt. Sie haben Anspruch auf 14 Monate Elterngeld, wenn der andere Elternteil das Kind für mindestens zwei zusätzliche Monate betreut und wenn eine Erwerbsminderung vorliegt. Das heißt, ein Elternteil muss im zwölf-Monatszeitraum vor der Geburt einer Erwerbstätigkeit nachgegangen sein. Dazu zählen auch Miniobs.

Beide Partner können auch gleichzeitig Elterngeld beziehen, dann reduziert sich die Zahl der Bezugsmonate entsprechend.

Besteht Anspruch auf Mutterschaftsgeld, wird dies die ersten zwei Monate auf das Elterngeld der Mutter angerechnet. Der Bezug des Elterngeldes verlängert sich dadurch nicht.


Seit dem 1. Juli 2015 können Eltern zwischen dem Elterngeld und dem ElterngeldPlus wählen bzw. beides miteinander kombinieren.

ElterngeldPlus wird für den doppelten Zeitraum des Elterngeldes gezahlt, bis zu 28 Monate.


Für genauere Infomrationen wenden Sie sich an die Elterngeldstelle.






 

 

Was gilt hinsichtlich des Elterngeldes für Alleinerziehende?

Alleinerziehende können die beiden Partnermonate beantragen und haben Anspruch auf 14 Monate Elterngeld bzw. 28 Monate ElterngeldPlus, wenn sie die Voraussetzungen für den steuerlichen Entlastungsbetrag für Alleinerziehende (§ 24b EStG) erfüllen.

Wird das Elterngeld auf Sozialleistungen angerechnet?

Auf folgende Sozialleistungen wird das Elterngeld komplett als Einkommen angerechnet:

- ALG II
- Sozialhilfe
- Kinderzuschlag

Wenn Sie vor der Geburt Ihres Kindes erwerbstätig waren, bekommen Sie einen Elterngeld-Freibetrag. Die Höhe des Freibetrages hängt davon ab, wie viel Einkommen Sie vor der Geburt Ihres Kindes hatten. Er beträgt maximal 300€ in den Monaten in denen Sie Basiselterngeld beziehen (in Monaten in denen Sie ElterngeldPlus beziehen maximal 150€).

In Höhe dieses Freibetrages wird das Elterngeld nicht angerechnet.


Wann und wo muss Elterngeld beantragt werden?

Das Elterngeld ist frühestens mit dem Tag der Geburt des Kindes schriftlich zu beantragen. Bei späterer Antragstellung kann es rückwirkend für die letzten drei Monate geleistet werden. Die Antragsformulare sowie weitere Auskünfte und fachliche Informationen gibt es z.b. bei der Elterngeldstelle der Stadt Jena.

Bekommen Sie selbst weiterhin Kindergeld?

Beziehen Sie selbst noch Kindergeld, stellt die Familienkasse trotz Beurlaubung die Zahlung nicht ein, wenn die Unterbrechung aus Mutterschutzgründen erfolgt. Dies gilt für das Semester, in dem die Entbindung zu erwarten ist und längstens bis zum Ablauf des Monats, in dem die Schutzfrist endet (8 Wochen nach der Entbindung). Bei einer weiteren Beurlaubung wird allerdings kein Kindergeld mehr gezahlt.

Liegen alle Voraussetzungen für einen Kindergeldanspruch vor, gibt es auch dann Kindergeld für Sie, wenn Sie verheiratet sind oder ein eigenes (nichteheliches) Kind haben. Das hat der Bundesfinanzhof mit Urteil vom 17.10.2013 (Az. III R 22/13) klargestellt (siehe auch Pressemitteilung des BFH). Die Entscheidung gilt für die Rechtslage ab dem 1.1.2012, also ab dem Zeitpunkt, in dem die Einkommensgrenze beim Kind keine Rolle mehr spielt.

Weitere Informationen zum Thema Kindergeld finden sie auch hier.


Ändern sich Regelungen zum BaföG?

Sie bekommen weiterhin BaföG, wenn Sie sich nicht vom Studium beurlauben lassen. Eine Beurlaubung ist berechtigt, wenn Sie einen wichtigen Grund haben. Dies sieht das Thüringer Hochschulgesetz vor. Zu diesen wichtigen Gründen zählen unter anderem die Zeiten des Mutterschutzes sowie die Elternzeiten. Elternzeit für Studierende wird in Analogie zur gesetzlichen Elternzeit gewährt. Es ist somit möglich, Urlaubssemester für einen Zeitraum von drei Jahren zu nehmen. 24 Monate davon können bis zum 8. Lebensjahr des Kindes beansprucht werden.
Weitere Informationen zum Thema Beurlaubung erhalten Sie im Studierenden Service Zentrum.

Die Änderungen beim Bafög

Nach Paragraph 13ff. des Ausbildungsförderungsgesetzes wird für Studierende, die mit ihrem eigenen Kind in einem Haushalt leben und deren Kind das 10.Lebensjahr noch nicht vollendet hat, ein Mehrbedarf von 130€ eingerechnet. Dieser Kinderzuschlag wird für denselben Zeitraum allerdings nur einem Elternteil gewährt. Führen Schwangerschaft und Erziehung eines Kindes zu Verzögerungen im Studium, kann eine solche Verschiebung beim BaföG geltend gemacht werden. Fehlende Betreuungsmöglichkeiten werden dabei allerdings nicht als Grund für eine Verlängerung der BaföG-Zahlung anerkannt.

Verlängerungsgründe

  • für Schwangerschaft/Geburt ein Semester
  • für die Elternzeit bis zum 5. Lebensjahr fünf Semester
  • für die Elternzeit im 6.+7-Lebensjahr ein Semester
  • für die Elternzeit im 8.,9. und 10.Lebensjahr ein Semester

Erhalten Sie aus den genannten Gründen eine Förderung über die Förderungshöchstdauer hinaus, so ist dies ein Vollzuschuss, der nicht zurückgezahlt werden muss.
Verzögert sich der Studienabschluss durch widrige Umstände, kann für höchstens 12 Monate eine Studienabschlussförderung in Form eines verzinsten Bankdarlehens gewährt werden, wenn innerhalb von vier Semestern nach dem Überschreiten der Förderungshöchstdauer die Zulassung zur Abschlussprüfung vorliegt und das Studium voraussichtlich binnen eines Jahres abgeschlossen werden kann.

Weitere Informationen erhalten Sie beim Amt für Ausbildungsförderung.

Können Sozialleistungen in Anspruch genommen werden und wenn ja, welche?

Gehen Sie aufgrund von Mutterschutz oder Kinderbetreuung nicht Ihrem Studium nach, und sind Sie aus denselben Gründen entsprechend beurlaubt worden, besteht möglicherweise ein Anspruch auf staatliche Sozialleistungen gemäß SGB II.

Die Leistungen nach SGB II beinhalten dabei

  • ALGII Regelleistungen für "Bedarfe des täglichen Lebens" (Ernährung, Kleidung etc.),
  • Übernahme der Kosten für Unterkunft und Heizung
  • Übernahme der Krankenversicherung, wenn die Familienversicherung nicht mehr greift.

Minderjährige Kinder haben einen eigenen Anspruch auf Leistungen. Als Teil der Bedarfsgemeinschaft mit Ihnen erhalten sie Sozialgeld in gleicher Höhe. Der Elternteil, der selbst keinen Leistungsanspruch nach SGB II hat, kann somit trotzdem den Anspruch für sein Kind geltend machen. Gefördert werden auch Mehrbedarfe. Diese können bspw. von immatrikulierten Studenteninnen beantragt werden, die regulär studieren.

Anerkennung von Mehrbedarf

  • für Schwangere ab der 13. Schwangerschaftswoche in Höhe von 17% der maßgeblichen Regelleistung
  • Mehrbedarf für Alleinerziehende in Höhe von 36% der maßgeblichen Regelleistung, wenn das Kind unter 7 Jahren alt ist, bei zwei Kidnern unter 16 Jahren oder ab dem 3. Kind in Höhe von 12 % der maßgeblichen Regelleistung pro Kind
  • Mehrbedarf durch kostenaufwendige Ernährung.

Besondere Bedarfe (u.a. Erstausstattung für Bekleidung bei Schwangerschaft und die Erstausstattung für das Kind), die sich durch die Geburt eines Kindes ergeben, können als Einmalleistungen beantragt werden.

Weitere Informationen finden Sie hier. Ansprechpartner für weitere Fragen ist Jenarbeit.

Kann ein Bildungskredit beantragt werden?

Sind Sie in der fortgeschrittenen Studienphase, können Sie bis zum Ende des 12. Studiensemesters und unabhängig von anderen Einkünften als zinsgünstiges Darlehen einen Bildungskredit beantragen. Das Darlehen wird in monatlichen Raten von 300€ ausgezahlt und es können bis zu 24 Monatsraten bewilligt werden. Der Bildungskredit, der auch neben dem regulären BaföG-Bezug beansprucht werden kann, ist beim Bundesverwaltungsamt zu beantragen.

Unter welchen Voraussetzungen kann man Kinderzuschlag beantragen?

Eltern mit geringem Einkommen, in deren Haushalt unverheiratete Kinder unter 25 Jahren leben, die zwar ihren eigenen Unterhalt, nicht aber den des Kindes finanzieren können, haben Anspruch auf Kinderzuschlag (170€/Monat). Steht für mehrere Kinder ein Kinderzuschlag zu, so wird hieraus ein auszuzahlender Gesamtkinderzuschlag gebildet. Anträge werden von der Familienkasse Ihrer Agentur für Arbeit entgegengenommen. Studierenden mit Anspruch auf Leistungen nach SGB II oder SGB IX wird hingegen kein Kinderzuschlag gewährt. Daher ist es ratsam erst einen Antrag auf ALG II zu stellen und bei einem nur geringen Auszahlungsbetrag dann einen Kinderzuschlag zu beantragen.

Für jedes schulpflichtige Kind, für welches im Monat August des laufenden Jahres Anspruch auf Kinderzuschlag (oder vergleichbare Leistungen wie Wohngeld, Sozialhilfe oder Leistungen von Jenarbeit) besteht, erhalten Sie 70€ für den persönlichen Schulbedarf im August für das 1. Halbjahr (bzw. 30€ im Februar für das 2. Schulhalbjahr).
 

Was ist Unterhaltsvorschuss und wem steht er zu?

Der Unterhaltsvorschuss steht Ihrem minderjährigen Kind zu, wenn es bei Ihnen als Alleinerziehender/-em im Haushalt lebt und vom anderen Elternteil keinen oder nur einen geringen Unterhalt erhält. Die Leistungen betragen dabei monatlich für Kinder unter 6 Jahren: 150€, für Kinder zwischen 6 und unter 12 Jahren: 202€ und für Kinder bis zum 18. Geburtstag: 272€. Den Unterhaltsvorschuss müssen Sie schriftlich bei der Unterhaltsvorschussstelle (meistens im Jugendamt) beantragen. Der unterhaltspflichtige Elternteil wird dann über die Zahlung des Vorschusses informiert und zur Zahlung aufgefordert.

Weitere Informationen dazu finden Sie beim Bundesministerium Familie, Senioren, Frauen und Jugend (bmfsfj). 

Welche Kriterien muss man erfüllen, um Wohngeldberechtigt zu sein?

Das Wohngeld als möglicher Mietzuschuss ist abhängig von der Anzahl der Familienmitglieder, der Höhe des Gesamteinkommens und der Höhe der zuschussfähigen Miete. 

Nicht antragsberechtigt sind

  • Empfänger von ALG II/Sozialgeld
  • Empfänger von SGB XII Leistungen
  • Studierende die BaföG erhalten

Studierende können einen Wohngeldanspruch geltend machen, wenn Sie BaföG berechtigt sind und ein Kind haben, oder wenn Sie kein BaföG und kein ALG II erhalten.

Dazu müssen folgende Kriterien erfüllt sein

  • Hauptwohnsitz am Studienort
  • eigener Hausstand
  • keine finanzielle Unterstützung durch die Eltern

Wichtig zu wissen: Erhält Ihr Kind Sozialgeld, so bleibt es vom Wohngeld ausgeschlossen. Sie selbst können jedoch Wohngeld beantragen. Gewährt wird die Unterstützung immer erst vom Beginn des Monats an, in welchem der Antrag bei der Wohngeldstelle eingegangen ist. Allgemein erfolgt die Bewilligung für ein Jahr.

Weitere Informationen bekommen sie hier und in der Wohngeldstelle Jena.

Möglicherweise ist für sie auch der Wohnkostenzuschuss von Interesse. Weitere Informationan dazu erhalten sie hier.
 

Kann man sich und/oder sein Kind Familienversichern lassen?

Für verheiratete Studierende mit Kind genügt es, wenn einer der Ehepartner pflichtversichert ist. Dann können der andere Partner aber auch das Kind familienversichert werden. Sind Sie alleinerziehend, hat Ihr Kind nur dann einen Anspruch auf Familienversicherung bei Ihnen, wenn Sie selbst krankenversichert sind. Falls Sie die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme der Familienversicherung erfüllen, können Sie bei der Krankenkasse prüfen lassen, ob Ihr Kind über eine andere Person (Großeltern, anderer Elternteil) familienversichert werden kann.

Seitens der Krankenkasse werden Sie bei Elternschaft durch weitere Leistungen unterstützt:
Medikamente, die im Zusammenhang mit der Schwangerschaft verordnet werden, sind zuzahlungsfrei. Im Falle einer stationären Entbindung ist für den Aufenthalt im Krankenhaus keine Zuzahlung zu entrichten. Es besteht die freie Wahl einer Hebamme, die Suche wird unterstützt durch die Krankenhäuser und Arztpraxen. Für Kurse und die Entbindung entstehen keine Kosten, die Hebamme rechnet direkt mit der Krankenkasse ab. Ob eine Frühgeburtenprävention in Form eines Selbsttestes angeboten wird, kann bei der jeweiligen Krankenkasse erfragt werden.

Weitere Informationen zum Thema Krankenversicherung für Studierende finden sie hier.

Gibt es für Stipendiaten und Stipendiatinnen mit Kind zusätzliche Fördermöglichkeiten?

Ja. Stipendiatinnen und Stipendiaten mit Kind erhalten unter Umständen einen Familienzuschlag vom zuständigen Stipendiengeber. Bitte erkundigen Sie sich dort nach den jeweiligen Regelungen.

Kann man sich unter der Schwangerschaft noch für Stipendien zur finanziellen Unterstützung dieser Situation bewerben?

Ja. Zum Beispiel für das Gerda Tschira Stipendium der Klaus Tschira Stiftung, Hilfe für schwangere Frauen und Familien in Not. Dieses Stipendium fördert Studierende der Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik im Haupt- bzw. Masterstudium, die alleinerziehend sind und einen Studienaufenthalt im Ausland absolvieren müssen. Sie sollen in die Lage versetzt werden, ihre Kinder für die Dauer des Studienaufenthaltes mitnehmen zu können. Die Höhe des Stipendiums ist abhängig von der Lebenshaltungs- und Betreuungskosten in dem jeweiligen Land.